BZF 1 bestanden – Welt wir kommen!

Wir haben es geschafft. Seit dem können wir das BZF 1 unser eigen nennen. Dank der Flugschule Hans Grade, ganz besonderen Dank an Anne Hennig und ihrem Team aus kompetenten und liebenswerten Fluglehrern. Ich habe in dem Kompaktkurs BZF2 und BZF1 zusammen alles in kurzer Zeit beigebracht bekommen, was ich für die Prüfung brauchte und die hatte es wirklich in sich. Ich, ohne Vorkenntnisse und mit keiner einzigen Flugstunde / Funkspruch, bis hier hin, hauptsächlich mit dem Fotografieren während des Fliegens beschäftigt, bin an meine physischen Grenzen gestoßen. Von morgens 9:00 Uhr bis abends 18:00 Uhr, volles und straffes Programm.

Unsere Gruppe bestand aus vielen liebenswerten Menschen, aus ganz unterschiedlichen beruflichen Bereichen, vom einem Unternehmensberater (SAP), einer Studentin auf Lehramt, über eine Ärztin bis hin zum Kapitän zur See, vom Fluganfänger über UL-Flieger bis hin zum Piloten. Wir waren bunt gemischt, leider blieb für das persönliche Miteinander nicht viel Zeit übrig, dazu war der Zeitrahmen zu eng.

1. Tag: Theorie (Vorbereitung auf die Flugfunkzeugnis-Prüfung in deutscher Sprache) von Buchstabiertafel, Fernmeldebestimmungen, Zeitsystem, Lufträume, Kontrollzonen, Art/Rangfolge von Meldungen, Not- und Dringlichkeitsverkehr, Blindsendungen, Rufzeichen, Frequenzen, Rollbahnen, Pistenbezeichnungen, Sichtflugkarten, Sicherheitsmindesthöhen, Höhenmessereinstellungen, Sichtflugregeln, Halbkreisflughöhen, Ortsmissweisung, Funkausfallverfahren, Lichtsignale, Bodensignale, Ausweichregeln, Transponder, UKW-Drehfunkfeuer, ungerichtetes Funkfeuer (NDB), Flugsicherheitsausrüstungen, UKW-Peilfunkstelle (VDF) und Flugsicherungbetriebsdienste. Konzentriert habe ich versucht mir alles zu merken, denn der 1. Teil der Prüfung würde die Beantwortung von 100 aus 250 Fragen aus diesem Themenfeld sein.

2.-3. Tag: Praxis (Sprechübungen, Funken in deutscher und englischer Sprache), gestartet sind wir mit einem Beispiel, An- und Abflug, jeweils von Hannover, diesen haben wir in unserer netten Runde noch vom Papier abgelesen, aber falls man zu diesem Zeitpunkt noch dachte, es könnte ein freudiger, entspannter Tag werden, der hat sich getäuscht, was wir jetzt in den beiden Tagen an Sprechgruppen, Redewendungen lernen sollten, war nur mit höchster Konzentration und Durchhaltevermögen zu schaffen. Jörg hat schon das BZF 2, musste daher die Sprechübungen in englisch trainieren und hart an seinem englisch arbeiten, besonders die 50 Übersetzungstexte der Aeronautical Information Publikation, haben ihn so manchen Schweiß gekostet, doch er hat nicht locker gelassen.

Am 1.Tag waren noch fast alle aus unserer Gruppe zum BZF 2 + BZF 1 (also für die Flugfunkzeugnis-Prüfung in deutscher und englischer Sprache) angemeldet, dies sollte sich aber schon bald ändern. Hier gilt es noch zu erwähnen, das trotz kurzer Zeit, die Fluglehrer alle möglichen Sonder- und Zwischenfälle ( von landenden Flugzeugen vorm Start, Pistenüberquerungen, Vögeln und Verkehr im An- und Abflug, Sonder-VFR-Flüge inklusive Wetterangaben, Kurs- und Höhenabfragen nach vorgegebener Steigrate und Minuten, immer wieder Höhenabfragen, Kursabfragen im Queranflug, wieder Durchstarten, rechte Platzrunde, dann linke Platzrunde, Warteschleifen) in die simulierten An- und Abflüge eingebaut haben, so dass wir wirklich auf alles achten mussten. Gehört hatten wir, dass bei den simulierten An- und Abflügen in der Prüfung eine Standardsituation vorkommt, vielleicht würde ein einziger Zwischenfall eingebaut. Bei uns sollte es anders kommen, wir brauchten wirklich alles was wir gelernt hatten. Danke, dass ihr uns so gequält habt.

Nach Tag 2 (Sprechübungen in deutsch und englisch, für An- und Abflüge von großen Verkehrsflughäfen), waren nur noch 2 aus unserer Gruppe von den angemeldeten 10 übrig, die die Prüfung in englischer und deutscher Sprache, also BZF 2 und 1 in einer Prüfung ablegen wollten, ich war eine davon. Die anderen 8 hatten sich entschieden erst die deutsche Prüfung, also BZF 2 abzulegen, um sich auf die deutschen Sprechgruppen konzentrieren zu können. Ich war mit den Kräften auch fast am Ende, doch durchhalten war mein Motto und ich hatte mir mein Ziel klar gesetzt: Ich wollte zusätzlich zu dem BZF1 und BZF 2 in 3 Tagen, auf jeden Fall auch noch die bestandene ICAO Sprachprüfung mit nach Hause nehmen. Zwar war ich mit diesem Ziel ganz allein, aber ich bin nicht davon abgewichen.

Am 4. Tag, ein Tag vor der Prüfung bei der Bundesnetzagentur in Berlin, fehlte mir die Fähigkeit zur Konzentration fast vollständig. Dieser Tag war eigentlich als Reservetag gedacht. Morgens hatte ich mit einem Fluglehrer noch einen Anflug in englischer Sprache und Abflug in deutscher Sprache von 2 Verkehrsflughäfen trainiert, so wie es für die Prüfung benötigt wird. Dann hatte ich mich für diesen Tag noch für die benötige Sprachprüfung (ICAO Sprachprüfung / Erstprüfung Level 4) angemeldet, diese hatte ich dann tatsächlich (trotz lack of concentration 😉 ) um 18:30 Uhr bestanden ( Dazu gehörte die Beantwortung von 12 Fragen, nach dem Anhören von Audiofiles, persönliches Gespräch, Bildbeschreibung und Beantwortung von Fragen in englischer Sprache mit 2 Prüfern). Es blieb wieder keine Zeit für die theoretischen 256 Fragen und die 50 englischen Texten aus der AIP.

Jeden Abend wieder hatte ich mir vorgenommen, im Zimmer die 256 Theoriefragen zu üben oder die 50 Texte der AIP zu übersetzen, leider konnte mein Kopf jeden Abend nichts mehr aufnehmen und die Müdigkeit holte mich ein, geschlafen habe ich die zwei letzten Nächte kaum, immer wieder bin ich aufgewacht und habe Sprechgruppen und Redewendungen wiederholt, hierbei tatsächlich hauptsächlich in englischer Sprache. 2 Tage für die ganz Theorie und Praxis in 2 Sprachen ist sehr kurz. Unsere Ernährung beschränkte sich in dieser Zeit auf einen großen Topf selbstgekochtes Gulasch (das wir von zu Hause mitgebracht hatten) und jeden Abend mit einem Brötchen als Beilage wieder aufgewärmt hatten. Sonst gab es nur Obst, Chips und Schokolade.

Prüfung: Früh aufstehen stand auf dem Plan, Coffee to go und dann auf nach Berlin zur Bundesnetzagentur (Fahrzeit 01:30 Stunden), um 9:00 Uhr sollte meine Prüfung starten, Jörg war um 11:00 Uhr dran. Angekommen, gab es einen Warteraum, wir waren die ersten, nach und nach kamen bekannte und dann auch nette neue Gesichter dazu. Kurz nach 9:00 Uhr, wie vor jeder Prüfung war ich aufgeregt. Dann ging es los, Platz genommen und konzentriert. Nach dem abgleichen der Personendaten, richtete sich Herr Klavis von der Bundesnetzagentur an mich, „Frau Grote sind sie sie sich sicher, dass sie hier und jetzt die Flugfunkzeugnis-Prüfung für beide Sprachen ablegen wollen. Oh, da war es wieder, ein kurzes Zögern, aber „nein“, sagte ich mir, mein Ziel ist es BZF 2 und 1 in diesem Kurs zu absolvieren und auch die Sprachprüfung Level 4 mit zunehmen. Das Ziel war anvisiert, alles was geht und dann am Wochenende Richtung Dänemark! „Ja.“, sagte ich. ( Dazu muß man wissen, wenn ich die Prüfung im englischen Teil nicht bestehe, erhalte ich auch nicht das BZF 2 (in deutscher Sprache), dann hätte man gar keinen Schein.)

Los ging es mit den theoretischen Fragen, diese hatten zum Teil einen anderen Wortlaut, als die mir zum Üben vorlagen, wer sich da nicht aus der Ruhe bringen läßt und sich auf den Inhalt konzentriert, schafft das schon (Theorie anwenden und dann klappt es). Gleich nach dem Beantworten gab es das Ergebnis, bei nicht bestehen ist die Prüfung dann schon vorbei. Aber es sollte weiter gehen mit 98% hatte ich bestanden. Jetzt folgte das Vorlesen und dann Übersetzen eines Auszuges aus der AIP ( einer der 50 Texte der Aeronautical Information Publikation). Bestanden! Nun kamen die simulierten An- und Abflüge, kurze Vorbereitung mit den An- und Abflugkarten des jeweiligen Verkehrsflughafen, dann Abflug auf englisch und Anflug auf deutsch. Ich war sehr aufgeregt und auch angespannt. Die Rolle des Turms bzw. der Rollkontrolle wurde von dem Herrn Nickel (Controller in Berlin) durchgeführt. Und dann nahm alles seinen Lauf, fast alle Ausnahmen und Zwischenfälle, die wir trainiert hatten kamen dran. Der Controller hat wirklich schnell gesprochen und ich mußte immer wieder alle meine noch übrigen Kräfte mobilisieren und mich richtig konzentrieren, von special VFR und der damit wechselnde Pflichtmeldepunkt von N auf S ( geänderter Ausflugsroute aus der Kontrollzone), über Arbeiten an den Rollwegen, immediately airborne behind landing Cessna, 2 Rechtskurven mit Höhenangaben und Kursangaben, direkter Ausflug und wieder eine festgelegte Höhe, Vögel in Sicht, andere Flugzeuge in Sicht, Angabe einer Steigrate, Abfrage nach 2 Minuten (selbstverständlich musste eine Kursangabe nach der Rechtskurve, die der Controller vorgegeben hatte berücksichtigt werden), direkter Einflug in den Queranflug mit Abfrage von Höhe und Kurs etc.. Erst als mein Flugzeug D-EFFD auf der Abstellfläche Ost angekommen war, konnte ich durchatmen. Wir wurden kurz rausgeschickt und als wir wieder reinkommen durften, hatte ich bestanden.

Freude stellte sich ein, doch die Anspannung blieb, mein Liebster musste jetzt auch noch bestehen, bis zum Schluss hat er die englischen Texte übersetzt. Sein Prüfungstermin, hatte sich jetzt schon von 11:00 Uhr auf 13:30 Uhr hingezogen, mehr Zeit zum Lernen, aber die Anspannung steigt, bei einer so langen Wartezeit. Dann um 13:45 Uhr war es soweit, ich war immer noch mit aufgeregt, hoffentlich kommt ein Text dran auf den er gut vorbereitet ist. Und was soll ich sagen, das Glück ist mit uns. So wartete ich im Warteraum auf meinen Großen, mit den Gedanken war ich mit bei seiner Prüfung, da er nicht wieder raus kam, musste er den Übersetzungsteil bestanden haben und schon bei den simulierten An- und Abflügen, in seinem Fall beide in englischer Sprache, sein. Dann endlich hörte ich ihn lachen und kurz darauf später kam er aus der Prüfung, bestanden, jetzt viel alles von uns ab, die ganze Anspannung der letzten 3 Tage, nach 3,5 Stunden Heimfahrt und einem Zwischenstopp beim bösen M (Mc Donald) kamen wir gegen 20:00 Uhr völlig kaputt, aber glücklich zu Hause an.

Jetzt einige Tage später ist die Müdigkeit gewichen und die Lebensgeister kommen zurück, ich bin auch menschlich Gewachsen und es wird einem wieder bewußt, was man trotz Druck und Anstrengung in einem kleinen Zeitfenster zu leisten im Stande ist. Trotz Müdigkeit fühlt man sich lebendig. Ich bin mir meiner Leistungsfähigkeit wieder bewußt und stolz auf uns, wir sind ein super Team.

Vielen Dank an dieser Stelle nochmals an das Team der Hans Grade Flugschule in Berlin Schönefeld. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit euch.

Und jetzt Welt aufgepasst, wir kommen, die Fliegerei hat keine Ländergrenzen mehr.

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